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Kloster Leubus / Klasztor w Lubiążu

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HAUS SCHLESIEN

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Reichlich Süß. Zwei Jahrhunderte Zuckergeschichte in Schlesien

Generator Schweidnitz-1

Viel elektrische Energie wird für den Antrieb zahlreicher Motoren, Pumpen, Förderbänder und damit Maschinen in den Zuckerfabriken benötigt. Darum wird dort Strom durch die Verbrennung von Kohle selbst erzeugt. Gut gepflegt ist ein schwedischer 3,5 MW-Generator von 1934 bei der Zuckerfabrik Swidnica in Pszenno, früher Weizenrodau, im Betrieb. Durch eine Modernisierung 1980/81 wurde die Leistung auf knapp 4 MW bei 4960 kVA erhöht.
Foto Stephan Kaiser

Über viele Produkte wird heute nicht weiter nachgedacht. Auch Zucker gehört zu den selbstverständlichen Grundnahrungsmitteln. Doch seine Produktionsgeschichte ist eng mit Schlesien verbunden. Von der ersten industriellen Zuckerherstellung aus einheimischen Zuckerrüben, sodann der Zuckerrübenzucht und zahlreichen Fabrikationsstandorten bis hin zu aktuellen Änderungen der europäischen Marktordnung und des Welthandels, stets gibt es viele interessante Aspekte, die mit Schlesien eng verwoben sind.
Jede Beschäftigung mit Schlesien wird spätestens im wirtschaftlichen Bereich auf das Stichwort Zucker gelenkt. Es ist nicht mal übertrieben von einer Schlüsselindustrie des Landes zu sprechen. Schlesien besitzt mit ertragreichen Böden die Grundvoraussetzung für den Anbau von Zuckerrüben.
Für die Anfänge der Zuckerproduktion geht der Blick nach Breslau und Hirschberg. Dort gab es seit 1770 bzw. 1787 Zuckerraffinerien. John Quincy Adams schrieb über eine Besichtigung in Hirschberg in seinen „Briefen über Schlesien“ nach Amerika 1805: „Man bekömmt die Rohrzucker von Hamburg und Stettin und raffiniert diesselben in solcher Qualität, die nicht allein zum Bedarf für die benachbarte Gegend hinlänglich sind, sondern auch zu einer beträchtlichen Exportation dienen. Die vorzüglichste Seltenheit, die man mir hier zeigte, war eine Probe von dem neuen, aus Runkelrüben produzierten Zucker. Man hat hier nur wenige Hüte davon verfertigt, die dem Ansehen nach dem allerfeinsten aus dem Rohre bereiteten Zucker gleichen, allein weder von solcher Textur noch so süß im Geschmack sind, wie dieser“. Dieser Bericht ist aufschlußreich. Er zeigt eine Handelsstruktur, die auf dem Import von überseeischem Rohzucker als Rohprodukt basierte und seine Verfeinerung sowie Wiederausfuhr als Teil der merkantilistischen
Achard

Porträt von Franz Carl Achard
Werbemarke zur Reichskolonial-
fachausstellung in Breslau, Sammlung HAUS SCHLESIEN

Wirtschaftsordnung betrieb. Neugierig und aufmerksam weist der Autor auf die im Frühjahr 1802 in Kunern (Kreis Wohlau), heute Kunary (gm. Winsko, pow. wołowski), erstmals in größerem Maße vorgenommene industrielle Zuckerproduktion aus heimischen Rüben hin. Dieses Ereignis ist bis heute in Erinnerung geblieben. Adams spricht auch die Produktionsweise an, die bei Rohr- wie Rübenzucker damals wenig differiert. Die Methode der Hutreinigung blieb noch Rekofa1lange maßgeblich. Ebenso blieb es noch eine Weile beim hier anklingenden Vorurteil, ja der Fehleinschätzung, wonach nämlich der äußerlich gleiche Zucker je nach Ausgangsprodukt unterschiedlich schmecke. Zucker ist ein gleichförmiges chemisches Produkt und von einheitlichem Geschmack. Einzig herstellungsbedingte Verunreinigungen konnten damals seinen Geschmack beeinflussen. Der Apotheker und Chemiker Andreas Sigismund Marggraf hatte 1747 in Berlin den Zucker in der Rübe entdeckt. Wie bei jeder Erfindung, vergeht etwas Zeit bis zur lohnenden technischen Umsetzung. Es war somit seinem Schüler und Nachfolger an der Akademie der Wissenschaften, Franz Carl Achard (1753 – 1821), vergönnt, als Motor der Entwicklung und als Zuckerpionier hervorzutreten. Mehr zufällig war dieser durch eine Zwangsversteigerung 1801 zu dem entlegenen schlesischen Produktionsstandort Kunern ohne gute Böden gekommen. Seit 1784 hatte er bei Berlin Rüben gezüchtet und die Produktion erprobt. Sein Engagement war bezugsreicher Beginn für ein flächendeckendes Netz von über 120 nachweisbaren Zuckerfabriken in Schlesien. Vielen Betrieben war zwar kein langes Wirken beschieden, andere brachten oder bringen es aber auf hundert und mehr Produktionsjahre. Manche waren dem Versuch des ländlichen Adels
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Ansicht einer historischen Ansichtskarte aus der Sammlung von HAUS SCHLESIEN

um eine verbesserte Wertschöpfungskette geschuldet, wie es Gustav Freytag im Roman „Soll und Haben“ beschreibt. Ihnen war wenig Erfolg vergönnt, wenn nicht viel Kapital und ein ausreichendes Rübenangebot zur Verfügung stand. Achards Verdienst ist eine Musterproduktion die wir heute als Machbarkeitsstudie umschreiben könnten. Andere Persönlichkeiten wie der Baron Koppy oder Graf Magnis setzten seine Erkenntnisse um. Achard publizierte viel und seine Bücher über die Rübenzuckerproduktion sorgten für großes Aufsehen.
Die erste Gründungswelle insbesondere auch in Schlesien war begünstigt von der französischen Kontinentalsperre, als Rohrzucker aus Übersee vom europäischen Markt ferngehalten wurde. Im Dritten Reich wurde solch ein historischer Hintergrund anders interpretiert. „Die Idee des Rübenzuckers ist aus dem Kampf gegen ein Monopol, aus dem Kampf gegen England entstanden. Die Kraft des schöpferischen Geistes stemmte sich schon damals ... gegen die britische Willkür und schuf sich mit seinen Mitteln die Waffen dafür“, schrieb Gerhard Tannenberg im Vorwort seines Sachbuches „Der Kampf um den Zucker“ (Leipzig 1942). Technologisch war Rübenzucker durchaus geeignet, vom hochpreisigen Importgut durch günstige Massenproduktion zum alltäglichen Konsu
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So fängt alles an. Anlieferung der Zuckerrüben in der Fabrik.
Foto (c) Stephan Kaiser aus der Cukrownia Wroclaw, Kampagne 2005

martikel zu gelangen. Viele Flächen und Gebäude wurden von staatlicher Seite für den Rübenanbau und die Rübenverarbeitung vorgeschlagen. Die preußische Regierung in Liegnitz kam daher 1811 auf die Idee, auch im gerade aufgehobenen Kloster Leubus eine „Vorbild-Anstalt“ für die Rübenzuckergewinnung einzurichten. Doch zugunsten einer finanziellen Unterstützung von Achard in Kunern, der ähnliches vor hatte, wurde dieser Plan nicht umgesetzt. Mit dem Ende der Abschottung Mitteleuropas von Zuckerimporten nach 1815 verfiel sofort der Zuckerpreis, denn die angehäuften Kolonialzuckervorräte überschwemmten als Importe den europäischen Markt und deckten auf viele Jahre günstig den Bedarf. Erst von 1850 bis 1900 senkte die eigenständige europäische Rübenzuckerherstellung nachhaltig den Rohzuckerpreis auf ein Drittel.
Bis zur zweiten großen Gründungswelle ab 1830 tat sich technologisch viel und das begünstigt dann auch die Gründung von Fabriken, die diesen Namen verdienen. Durch Züchtung gelang es einen höheren Zuckergehalt in der Runkelrübe zu erreichen. Achards erste Produktion brachte nur ca. 4 Gewichts % Rohzucker. Mitte des Jahrhunderts lag der Zuckergehalt bei 7 bis 8 Prozent. Heute erreicht die Polarisation knapp unter 20 % (Schlesien Kampagne 2004/5 = 18,76 %). Der Name „Beta Silesia“ läßt die erfolgreiche Beteiligung schlesischer Züchter, so durch Koppy und auch Rohde in Kurtwitz, erkennen. Auch die Produktionstechnologie wandelte sich. Zu Achards Zeiten wurde noch mechanisch gearbeitet und durch offenes Erhitzen gesiedet. Er selbst schrieb: „Für die Reinigung der Rüben leitete man Wasser aus dem Brunnen in einen Holzkasten, der zu Dreiviertel mit vorgeputzten Rüben gefüllt wurde. Zum Zerkleinern der Rüben diente eine Kartoffel-Schneidemaschine „mit im Zickzack gewundenen Messern“. Das Auspressen des Saftes besorgte ein Walzwerk – eine Rolle, die auf langer Bahn hin und her bewegt werden mußte. Ein System, das an alte Obst- und Weinpressen erinnert“.
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Zahlreiche große Waschtrommeln sind hintereinander angeordnet, um die Zuckerrüben von Erde und Schmutz zu reinigen, bevor sie in Schnitzel zerkleinert werden. 
Foto aus der ehem. Zuckerfabrik Jauer.


Schritt für Schritt hielt die Dampfmaschine und schließlich die Kraft-Wärme-Kopplung bzw. die Elektrotechnik Einzug. Die Mechanisierung änderte die Abläufe und ermöglichte Massenproduktion. Die Zuckerfabrik kann als Schrittmacher gerade auch der Lebensmittelindustrie angesehen werden. Sie braucht viel Energie, hat einen geschlossenen innerbetrieblichen Kreislauf von festem und flüssigem Material und letztlich sind Hygieneaspekte zu beachten. Ein entsprechend stetig verbessertes technologisches Angebot konnten schlesische Maschinenbaufirmen liefern. Die Brieger Maschinenfabrik Pzillas, das Weigelwerk in Neisse-Neuland oder die Firma Främbs & Freudenberg in Schweidnitz, auch Kulmiz aus Saarau waren im ganzen Deutschen Reich als Ausrüster bekannt.
Eng mit der Zuckerproduktion verbunden sind die Transportmöglichkeiten. War anfangs die weiterverarbeitende Fabrik beim Anbauprodukt, so wandelte sich dies. Verbesserte Verkehrsverhältnisse ließen die Rüben auch weitere Wege zur Fabrik zurücklegen. Neben dem Transport auf der Oder (so zu den Fabriken Brieg, Maltsch, Steinau und Glogau) bot die Eisenbahn mit ihren Hauptstrecken sowie speziell in Rübenanbaugebieten angelegten Nebenbahnlinien (so u.a. zugunsten der Fabriken Gutschdorf, Hertwigswaldau, Puschkau, Kurtwitz, Hubertushof oder Klettendorf) gute Zufuhr des Massengutes.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden leistungsfähigere Fabriken, die sowohl die Produktionsschritte Rohzuckerherstellung und Zuckerraffination vereinten, als auch ein stets vergrößertes Volumen zu verarbeiten vermochten. Leistungssteigerung ist auc
waschmaschine

Blick ins Siedehaus der Cukrownia Wroclaw/ Zuckerfabrik Breslau, 2005
Foto Stephan Kaiser

h ein Kriterium des gegenwärtig forcierten Konzentrationsprozesses. Schlesischen Fabriken mit einer vor dem Zweiten Weltkrieg üblichen Leistungsfähigkeit unter einer Tagesleistung von 2.000 t wurden schon geschlossen. Den Betrieb stellten in den letzten Jahren ein: Baborów/ Bauerwitz (Rübenverarbeitung 1.300 t/Tag), Jawor/ Jauer (1.600 t/Tag), Lagiewniki/ Heidersdorf (2.000 t/Tag), Maloszyn/ Maltsch (Schließung 2005, RV 3.200 t/Tag), Pastuchów/ Hubertushof (1.400 t/Tag) und Pustków/ Puschkau (1.500 t/Tag). Mittelfristig wird eine andersartige Nachfolgenutzung dieser Areale anstehen. Von 37 Fabriken vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Anfang unseres Jahrzehntes weniger als die Hälfte. Eine weitere Halbierung der Produktionsstandorte wird die Zielgröße sein, allerdings bei dann weiter automatisiertem und erheblich leistungsgesteigertem Betrieb. Zur Zeit arbeiten: Cerekiew (RV 3.800 t/Tag) und Chybie (2.000 t/Tag) an der Grenze Oberschlesiens, Otmuchów/ Ottmachau (3.200 t/Tag), Racibórz/ Ratibor (2.200 t/Tag), Strzelin/ Strehlen (2.800 t/Tag), Swidnica/ Weizenrodau bzw. Schweidnitz (3.000 t/Tag), Wrocław/ Breslau (2.900 t/Tag) und Wroblin/ Löwen (2.800 t/Tag). Moderne Fabriken können bei verlängerter Produktionsphase bis zu 10.000 Tagestonnen verarbeiten (z.B. Könnern in Sachsen-Anhalt).
Einige der schlesischen Fabriken sind bereits techno
Abfüllstation 1Kg

Abfüllstation
Noch ist die 1Kg Haushaltspackung die wichtigste Vertriebsform für den Zucker schlesischer Fabriken.
Foto aus der Zuckerfabrik Guhrau

logisch auf hohen Stand und können eine Zuckererzeugung von über 40.000 Jahrestonnen aufweisen. Überall steht weitere Rationalisierung in der Produktion an. Das bedeutet u.a. verringerten Energieverbrauch und bessere Umwelttechniken als kurz- und mittelfristige Kostensenkung. Durch Modernisierung und Schließung veralteter Fabriken konnte bspw. seit der Kampagne 1997/98 der Energieverbrauch von 4.500 kWh je Tonne Zucker auf 2.130 kWh gesenkt werden.
Schon jetzt erfolgen unter dem Dach der Südzucker Polska in Breslau einerseits der gemeinsame Einkauf aller Bedarfsgüter, auch der Massengüter Kalkstein, Kohle und Koks, aber auch Maschinen und Ersatzteile sowie andererseits eine gemeinsame Produktvermarktung. Die rechtlich lange selbständigen Fabriken werden zu einer Holding zusammengeführt. Weniger Fabriken bedeutet mehr Transporte. So wird man zukünftig im Herbst zur Rübenernte mehr Lastwagen begegnen, die über weite Strecken zu den Fabriken unterwegs sein werden. Rübentransporte mit der Bahn gibt es seit Anfang des Jahrzehntes keine mehr und auch auf große Lager bei den Fabriken wird verzichtet. Als beispiel für die beduetung der Bahn kann das Produktionsjahr 1926 angeführt werden
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Im späten Herbst begegnet man in den Rübenanbaugegenden vielen aufgehäuften Zuckerrüben am Wegesrand. Von dort erfolgt die Abholung mit LKW und es geht direkt zur Verarbeitung in die Fabrik.
Foto aus dem niederschlesischen Kreis Wohlau/pow. wolowski, 2005

. Damals wurden 1,5 Mio Tonnen Rüben zu den Zuckerfabriken transportiert und von diesen wieder 339.000 Tonnen Roh- und Verbrauchszucker abgeholt.
Polens Zuckerwirtschaft ist in einem Transformationsprozeß. Die schlesischen Fabriken gehören heute mehrheitlich zur Südzucker-Gruppe (25,3 %). Die Fabrik Guhrau/Góra Śl. ist Teil der in Großpolen aktiven Pfeifer & Langen AG (15,8 %). Britisch Sugar Overseas (10,9 %) hat Fabriken im Weichselraum. Nordzucker (8,9 %) operiert auch um Posen. Polski Cukier als produzierender Teil der staatlichen Krajowa Spólka Cukrowa (39,4 %) hat Produktionsstandorte zwischen Pommern und der ukrainischen Grenze. In der Kampagne 2004/2005 gab es landesweit 43 aktive Zuckerfabriken, schon 25 % weniger als noch vor wenigen Jahren. Polens Gesamtproduktion beträgt aktuell rund zwei Millionen Tonnen Weißzucker. Etwa ¾ davon wird gleichbleibend im Inland verbraucht. Anders strukturiert ist noch der Absatz, der zu 41 % im Einzelhandel geschieht (Deutschland = 10 %) und nur zu 29 % an die verarbeitende Industrie geht (D = 77 %). Dieses Zahlenverhältnis belegt noch viel häusliche Verarbeitung und weniger Fertigprodukte. Es bringt aber auch einen instabilen Preis, weil u.a. Discounter Großmengen zu Niedrigpreisen aufkaufen (30 % Marktanteil Großhandel) und teilweise als Lockpreise offerieren. Dem prognostiziert sinkenden Privatbedarf wird zukünftig eine andere Distribution folgen. Die Hersteller werden Silolagerung (z.Z. nur 1 %) anstelle der Abpackung (50kg Papiersack als Industriestandard mit noch 37,7 % und 56,5 % gar als 1kg Haushaltspack) forcieren.
Doch sollte man den Blick auf die
fabrik

Weites Vorland und kompakte Gebäude. Eine Zuckerfabrik ist ein großer zusammenhängender Organismus. Im Vordergrund die Freiflächen für Rübenlager und Kohlehalde. Aufnahmen der stillgelegten Zuckefabrik Maloszyn in Malczyce/ Maltsch an der Oder.
Foto (c) Stephan Kaiser, November 2005

Rübenzuckerproduktion nicht auf den Verarbeitungsgang der Rübe beschränken. Der Anbau ist ökologisch wertvoll, da Kohlendioxid gebunden wird, und alle Nebenprodukte der Verarbeitung kommen der Landwirtschaft wieder zugute. Wirtschaft ist ein Kreislauf, besagt die Theorie. Auch historisch ist manches ein Kreislauf. Die durch Welthandelsorganisationen erzwungenen Öffnungsklauseln für überseeischen Rohrzucker werden den europäischen Markt verändern. Anfang unseres Jahrzehntes setzte sich die weltweite Gesamtzuckerproduktion aus etwa 60 % Rohr- und 40 % Rübenzucker zusammen. Das Ende der Europäischen Rübenmarktordnung macht es schwieriger, die tatsächlich ökologisch wie ökonomisch sinnvolle inländische Abfolge von der Rübe als Ausgangsprodukt bis hin zum Rübenzucker mit all seinen Nebenprodukten lohnend aufrecht zu erhalten. Marktöffnung bedeutet dabei weder Qualitätsverbesserung noch Preisminderung. Veränderte Warenwirtschaftströme werden jedoch Ertragseinbußen bringen und es droht Beschäftigungsrückgang bei Landwirtschaft, Maschinenbau und Zuckerindustrie. Schon jetzt sinkt die Anzahl der Rübenanbauer (Polen 2004/5= 77.900) und es steigt die Anbaufläche je Rübenanbauer (3,8 ha). Ein Wandel setzt beschleunigt ein, dessen Folgen also auch für Schlesien absehbar sind und erst in Kürze richtig erkennbar sein werden.

Ausstellungshinweise:
Mit Zucker im weiteren Sinne beschäftigt sich als Spezialeinrichtung das 1904 gegründete Zuckermuseum Berlin (Amrumer Str. 32, 13353 Berlin), heute eine Abteilung des Deutschen Technikmuseums Berlin (www.dtmb.de/zucker-museum).
Zur Geschichte der Zuckerherstellung in Schlesien gibt es eine Abteilung im ehemaligen Zisterzienserkloster Leubus/ Klasztor Lubiąż an der mittleren Oder. Im Jubiläumsjahr 2002 führte das Museum für schlesische Landeskunde im HAUS SCHLESIEN (www.hausschlesien.info) zuckerbezogene Sonderausstellungen in Königswinter, Leubus und Jauer durch. Dies war Grundlage und Ansatz für eine 2004 eingerichtete Dauerausstellung. Als Leitobjekt dient in Leubus der Grabstein für Franz Carl Achard.

Literaturhinweise:
Baxa, Jacob: Die Zuckererzeugung 1600 – 1850. Wien 1937 .- Ders. und Guntwin Bruhns: Zucker im Leben der Völker. Eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Berlin 1967 .- Pruns, Herbert: Europa auf der Suche nach Zucker aus einheimischen Kulturpflanzen. Berlin 2004 (Europäische Zuckerwirtschaft,1 ) .- Ders: Europäische Rübenzuckerindustrie im Frühindustralismus. Festschrift. Bonn, Berlin 2000 .- Müller, Hans-Heinrich: Franz Carl Achard (1753 bis 1821). Berlin 2002 .- Büter, Tanja: Raffiniert. Zur Geschichte des Rübenzuckers. Magdeburg 1999 (Hefte zur Technikgesichte, 2) .- Olbrich, Hubert: Schlesien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der Bedeutung für Franz Carl Archard. Düsseldorf 1998 .- Loebner, Horst-Dieter (Hrsg.): Die schlesische Rübenzuckerfabrikation. St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2005 (Beihefte zum Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau, Bd. XIV)
Informationen zur Geschichte der heutigen Produktionsstandorte und der Produktionskennziffern sind auch in deutscher Sprache verfügbar unter www.suedzucker.pl.

Dr. Stephan Kaiser

Ein Beitrag aus
 titel Kulturspiegel

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