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Kultur und Natur an der Oder
Pressetext zur Ausstellungseröffnung 2003
Vielfältigen Aspekten der Landschaften an der Oder geht eine große Ausstellung nach, die am Samstag, den 28. Juni unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit in Kloster Leubus an der Oder eröffnet worden ist. Namhafte politische Vertreter der Region sprachen Haus Schlesien ihren Dank und ihre Anerkennung für das Engagement in Niederschlesien aus.
Im Rahmen der langjährigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Museen und Hochschulen in Polen hat jetzt das Museum für schlesische Landeskunde aus Königswinter-Heisterbacherrott seine 4. Jahresausstellung dem Thema "Oder - Odra" gewidmet. Bei dieser Präsentation in den altehrwürdigen Räumen der 1163 gegründeten Zisterzienserabtei Leubus in der Nähe der schlesischen Metropole Breslau wird die dort vorbei fließende Oder vorgestellt.
Auf über 500 qm Ausstellungsfläche geht es um Städte, Personen und Ereignisse sowie die Landschaft entlang der Oder zwischen Ratibor und der früheren brandenburgischen Grenze bei Crossen. Verbindendes Element dieser ersten breiteren Ausstellung ist die Schiffahrt auf der Oder. Zahlreiche in- und ausländische Leihgaben vermitteln ein differenziertes Bild, was Land und Leute mit der Oder verbindet. Wie auch am Rhein gibt es an der Oder zahlreiche Städte, deren historische Entwicklung durch den Fluß geprägt wurde. Konzipiert und vorbereitet wurde diese Zusammenstellung vom Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien.
Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser betont bei der Eröffnung, daß "die vielfältigen Bestände im Haus Schlesien bei einer solchen breiten Ausstellung besonders zum Tragen kommen". Die jahrzehntelange Sammlungstätigkeit hat zu einer in Deutschland einzigartigen Sammlung geführt, der wieder einmal als Fundus dienen konnte.
Zur Eröffnung fanden sich bei strahlendem Sonnenschein rund 300 deutsche und polnische Gäste im Fürstensaal von Kloster Leubus ein. Zwei Reisegruppen aus dem Rheinland hatten ihre Route so gelegt, daß sie an der Eröffnung teilnehmen konnten. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Siftung Leubus sprachen in Schlesiens schönstem und größtem Barocksaal für den Verein Haus Schlesien dessen Präsident Reinhard Blaschke und für die Schirmherren der deutsche Generalkonsul in Breslau, Dr. Peter Ohr und Krzystof Kosczanowski als Vertreter des Marschalls der Woiwodschaft Niederschlesien. Auch der stellvertretende Landrat aus Wohlau machte die Bedeutung dieser Ausstellungstätigkeit für die historisch-politische Bildung in der Region und deren Attraktivität für das Ausflugsziel Leubus deutlich. Eine inhaltliche Einführung zu der neuen Jahresausstellung in der schlesischen Außenstelle von Haus Schlesien gab anschließend Dr. Stephan Kaiser.
Im ersten Ausstellungssaal wird die Region im Kartenbild vorgestellt. Barocke Land- und Flußkarten sowie Gemälde und Graphiken geben eine Vorstellung von schlesischen Landschaftsräumen und der prägenden Kraft der Oder. Mittels literarischer Zitate läßt sich die identitätsstiftende Deutung des Flusses belegen. Neben der Einführung in verschiedene Epochen schlesischer Landesgeschichte werden topographische und geographische Aspekte angesprochen. Hydrographische Inhalte leiten dabei zur Betrachtung von gelegentlichen katastrophalen Hochwassern über, wie sie den Menschen vor allem durch das Oderhochwasser 1997 in Erinnerung sind.
Im zweiten Raum geht es um das alltägliche Leben an und auf der Oder. Bis zum zweiten Weltkrieg gab es entlang der Oder zahlreiche Ausflugslokale, damit verbunden war auch ein lebhafter Ausflugsverkehr mit Passagierschiffen. Anhand der wohl ältesten Luftbildserie Schlesiens aus dem Bestand des Museums für schlesische Landekunde wird der Ausbau der Oder zur Großschiffahrtswasserstraße deutlich.
Das angrenzende Abtrefektorium bietet Ausblicke auf die Naturlandschaft und greift ökologische Aspekte auf. Während die Oder oberhalb von Breslau schon Ende des 19. Jahrhunderts kanalisiert worden ist, so ist sie in ihrem gewundenen Verlauf bei Leubus mit alten Auenwäldern und seltenen Vögeln von hohem ökologischem Wert. Mit Unterstützung des WWF (World Wildlife Fond) in Polen und seines WWF-Aueninstituts in Rastatt soll sensibilisiert werden für die Erhaltung dieser einmaligen Auenlandschaft. Die unterschiedliche Interessenlage wird im anschließenden Saal deutlich, wo es um Oderhandel und -schiffbau geht. Denn die Versorgung der prosperierenden Reichshauptstadt Berlin mit oberschlesiescher Kohle erforderte Anfang des 20. Jahrhunderts den Ausbau der Oder mit zahlreichen Schleusen und Wehren ohne Beachtung von Fauna und Flora. Auch heute wird von der Verkehrswirtschaft ein weiterer Oderausbau unterhalb Breslau gefordert. Zahlreiche Staustufen sind zwar geplant, doch finanzielle Engpässe verzögern die Realsisierung. Somit ist eine gesellschaftliche Diskussion über die potentiellen wirtschaftlichen und tatsächlichen ökologischen Gegebenheiten notwendig und möglich. Die Betrachtung zahlreicher historischer Abbildungen und Schiffsmodelle von Schleppverbänden, Kähnen sowie Passagierdampfern lassen nostalgische Gefühle aufleben. Heute ist der Oderverkehr unabhängig von den starken jahreszeitlichen Schwankungen weitgehend zum Erliegen gekommen. Neue touristische Belebung versprechen zeitweilige Flußkreuzfahrten. Dem Flußverlauf folgend präsentieren sich abschließend Stadtportraits in einem langen und breiten Korridor. Hier wird der Besucher zum "überschreiten" der Oder angeregt. Bild von Fährstellen und Brücken erhellen zusätzlich das Bild von Schlesien als "Brückenlandschaft".
Die Ausstellung ist bis Mai 2004 in Schlesien zu sehen. Eine veränderte Fassung wird später auch im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott zu sehen sein. Die große Jahresausstellung in Leubus ermöglichte die Erika Simon-Kulturstiftung in Rinteln durch finanzielle Förderungen sowie ein Zuschuß aus Mitteln der Auswärtigen Kulturarbeit des Auswärtigen Amtes.
Die Ausstellung ist Teil der laufenden verständigungspolitischen Tätigkeit des Königswinterer Hauses Schlesien. Die Museumsarbeit in Schlesien hat die Absicht, das deutsch-polnische Verhältnis auf der Basis der Geschichte und Kultur zu fundieren. Eine wichtige Maßnahme dazu ist die komplette Zweisprachigkeit der neuen Ausstellung. Projektleiter Dr. Kaiser: "Wir verwenden durchgängig deutsche und polnische Ortsnamen. Wenn sich beide Völker über diese Region unterhalten, so müssen sie sich beiden Sprachformen einprägen. Nur über die deutschen Ortsnamen öffnet sich der Blick in die Vergangenheit und nur über die heutigen polnischen Bezeichnungen erschließt sich die Gegenwart."
Die große Resonanz schon bei der Eröffnung zeigt, daß sich die Erwartungen der Ausstellungsmacher erfüllen. Die Oder als tragendes Element dieses größten Auslandsvorhabens von Haus Schlesien verbindet somit in mehrfacher Hinsicht.
Die Ausstellung ist bis 23. Mai 2004 täglich von 10 bis 18 Uhr im Rahmen der Führungen zugänglich. Führungen für deutschsprachige Gruppen auf Anfrage unter Tel. 0 22 44/ 88 62 31 , Fax 88 62 30, email: museum@hausschlesien.de. Dabei lohnt es sich auch in den einzigartigen Auerwäldern geführt umzusehen.
Presse/Medien: Nicola Remig, 03.07.2003 Museum für schlesische Landeskunde, Tel. 02244/ 88 62 31, Fax 88 62 30
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