Archiv 2003

“HAUS SCHLESIEN” IN KÖNIGSWINTER
Rübezahls deftige Bergschätze
VON ALEXANDRA KLAUS UND RALF JOHNEN

Rübezahl nimmt der schlesischen Sage nach vielerlei Gestalt an: Der Herr des Riesengebirges erscheint mal als Bergmännlein, Geist, Mönch, zuweilen auch als Riese oder als Tier. Er neckt Wanderer, beschenkt Arme, sendet schwere Wetter, wenn er geärgert wird und hütet die Bergschätze.
Sich dieser vielfältigen Daseinsformen gewahr, betreten wir etwas unsicher das nach der Sagengestalt benannte Restaurant im ,,Haus Schlesien". Haben wir Zwergen-Teller zu erwarten oder eher ,,Riesen"-Portionen - und wird Rübezahl uns mit Schlechtwetter strafen, wenn wir nicht alles aufessen? Dem Gedenken und Erhalt der schlesischen Kultur dienen weite Teile des Gutshofs auf der Anhöhe zu Heisterbach, der erstmals 1173 als Fronhof des Damenstiftes Schwarzrheindorf urkundlich erwähnt und ab 1978 aufwendig in Stand gesetzt wurde. Neben dem Museum und einer Tagungsstätte beherbergt die denkmalgeschützte Begegnungsstätte ein Hotel, das Restaurant sowie eine Weinstube.
,,Wir stehen natürlich nicht nur Schlesiern offen", begegnet Geschäftsführerin Petra Meßbacher Berührungsängsten. Als Ausflugsziel und dank der großzügigen

Räumlichkeiten sei das Bankett- und Buffet-Geschäft besonders ausgeprägt, die à la Carte-Küche befindet sich noch im Aufbau. Obwohl sich die kleine Karte mit Spezialitäten wie ,,Schlesisches Himmelreich" (Mildgeräuchertes Kasseler in Backobstsoße mit Brokkoli und Kartoffelklößen) schmückt, charakterisiert Küchenchef Frank Assenheimer seine Ausrichtung als gehoben-bürgerliche deutsche Küche. Deftig, kräftig, viel Fleisch und Soße: ,,So als gäbe es morgen nichts mehr", lacht Meßbacher. Bei unserem Besuch begrüßte uns der freundliche und aufmerksame Kellner mit Brot und Schmalz. Anschließend kosteten wir ein Kürbiscremesüppchen mit Apfelstücken (4,20 Euro): dampfend-heiß und schaumig geschlagen war die würzige Komposition eine ebenso gelungene Ouvertüre wie der Feldsalat in fruchtigem Balsamico-Dressing (5,50 

Euro), der mit eigenwilligen Parmesan-Plätzchen angereichert war. Von der etwa 20 Tropfen umfassenden, deutsch geprägten Weinkarte entschieden wir uns für ein Glas Spätburgunder ,,Waldulmer Pfarrberg" (4,70), der nicht enttäuschte. Als Hauptgang wählten wir ,,Liegnitzer" Hirschgulasch mit Egerlingen, Rotkohl und Eierspätzle (13 Euro). Die großzügige Portion ließ an Qualität nichts zu wünschen übrig:
Das zarte Hirschfleisch badete in sämiger Soße, das Gemüse war bissfest und die Spätzle schmackhaft. Wie der Name vermuten lässt, war auch das ,,Rübezahl-Pfännchen" opulent, hierbei handelte es sich um aromatische Schweinemedaillons in Morchelsoße, die mit Beilagen in einer rustikalen Gusseisenpfanne serviert wurden. Verzichtbar schien hingegen der bräunliche Schnee, bei dem es sich laut Auskunft des Kochs um in Butter geschwenkte Semmelbrösel handelte, und der auch auf dem Dessert thronte. Ansonsten aber waren die Mohnklößchen mit Orangenfilets und Vanilleeis (5 Euro) ein leckeres Finale.
Am Tag nach unserem Besuch lachte die Sonne. Rübezahl scheint zufrieden gewesen zu sein.