Presseecho 2007

Haus Schlesien zeigt sich „gut betucht"
Ausstellung präsentiert die Bedeutung der Textilproduktion in den vergangenen Jahrhunderten

RZ_gutbetucht

Auch die schlesischen Weißstickereien gehören zu den Ausstellungsobjekten in Heisterbacherrott.
Foto: Heidrun Wirth

KÖNIGSWINTER. „Gut betucht" lautet der Titel einer Ausstellung, in der das Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott die Textilproduktion und den Tuchhandel in Schlesien beleuchtet. Welchen wichtigen Faktor schlesisches Leinen in früheren Jahrhunderten für die Wirtschaft Europas darstellte, machte Herbert Pruns in einem einführenden Vortrag im Haus Schlesien deutlich, der in die kultur- und industriehistorische Ausstellung „Gut betucht" einführte.
Zu verdanken ist der Beginn der Textilindustrie bereits Friedrich dem Großen, der nach der Eroberung Schlesiens die Leinenproduktion und die Leinenwirtschaft förderte. Doch der blühende Handel mit schlesischem Leinen, das als Exportschlager nach Amerika verschifft wurde, nahm unter Napoleon ein jähes Ende. Nun wurden nur noch grobe Stoffe für die Militärausrüstung hergestellt. Erst der schlesische Bauernsohn Christian Rother konnte um 1840 neue Beschäftigungsprogramme entwickeln, indem er den Flachsanbau und seine Aufbereitung förderte.
Das war kurz vor dem von Gerhart Hauptmann verewigten Weberaufstand 1844. Der Aufstand der ausgebeuteten Weber wurde mit militärischer Gewalt niedergeschlagen, in der Hauptmannschen Familie aber mündlich tradiert. In der Wilhelminischen Ära um 1900 wurde die Aufführung des Stückes verboten, da sie angeblich - wie die Plakate der Käthe Kollwitz - zum Klassenhass aufriefen. Was die Schlesier selber dachten, ist in einem Kreislauf der
Welt auf ein schlesisches Blautuch gedruckt: „Armut schafft Demut, Demut schafft Fleiß, Fleiß schafft Reichtum, Reichtum schafft Übermut, Übermut schafft Krieg, Krieg schafft Armut". Im alten Schlesien hingen solche Tücher irgendwo in der Wohnküche und führten sicher zu manch politischem Gespräch.
Am Internationalen Museumstag, am Sonntag, 20. Mai, um 15 Uhr wird Albrecht Tyrell dazu einen Vortrag halten. Doch schon zuvor, von 12 bis 17 Uhr, gibt es eine Vorführung der schlesischen Weißstickerei mit Nadeltüll. Schön anzusehen sind die spitzenbesetzten Hauben und Kleider, die in dieser Technik entstanden sind. Ein museumspädagogisches Begleitprogramm wird gerade entwickelt, in dem Geräte und Gewebe der Tuchherstellung erklärt werden. Heidrun Wirth

• Die Ausstellung ist bis 26. August zu sehen, Öffnungszeiten: Di. bis Sa., 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 15.03.2007