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Krippen als stummer Gruß aus der alten Heimat ADVENT Das Haus Schlesien in Heisterbacherrott zeigt vorweihnachtliche Schnitz- und Holzkunst und weckt damit nicht nur beim Kölner Erzbischof Erinnerungen an die Kindheit
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Von Roswitha Oschmann
HEISTERBACHERROTT. „Ich bin lediglich ganz privat hier", wiegelte Joachim Kardinal Meisner zunächst ab. Dann stand der Kölner Erzbischof doch noch Modell für den Fotografen des General-Anzeigers, deren Wege sich unverhofft mitten in der Weihnachtsstube von Haus Schlesien zwischen Krippen, Zeptern und Liegnitzer Bomben gekreuzt hatten.
„Aber ganz so nah möchte ich nicht heranrücken", ulkte der Oberhirte aus der Domstadt vor einer hübschen, großen Rupfenkrippe, „sonst war ich es dann, wenn ein Schäfchen fehlt." In jedem Jahr besucht Seine Eminenz die Ausstellung über weihnachtliches Brauchtum in Schlesien im Museum des festlich geschmückten ehemaligen Fronhofs. Nicht verwunderlich, wurde er doch selbst am ersten Weihnachtsfeiertag 1933 in Breslau geboren und erlitt als Zwölfjähriger das Schicksal der Vertreibung.
„Das hier ist sozusagen die einzige Überlebende", tippte Dorothea Friedel auf ein Kamel aus gebranntem Bunzlauer Ton, die Figur einer Krippe von 1925, die irgendjemand im Fluchtgepäck hatte. Daneben liegt in der Vitrine als Andenken das Foto der kompletten Krippe, wie sie einst in der Heimat aufgebaut worden war. Dorothea Friedel aus Heisterbacherrott wirkt ehrenamtlich im Haus Schlesien und erzählt Besuchern gern etwas über die Bräuche in ihrer Heimat. „Jeder hatte eine Krippe zu Hause, die an das Geschehen von Bethlehem erinnerte", berichtete die 84-Jährige. Die Krippen bestanden aus unterschiedlichen Materialien. Selbst die berühmte Bunzlauer Keramik. hielt auf raffinierte Weise Einzug in das Drehbuch zur Weihnachtszeit. Im Bauch eines Kruges mit „Fenster" ist die Geschichte um die Geburt Jesu mit Figuren aus Keramik angeordnet. Eine dieser Krugkrippen kommt aus Höhr-Grenzhausen, wo sich der schlesische Töpfermeister Georg Peltner eine neue Existenz aufbaute und diese Tradition wiederaufleben ließ.
Wunderschön ebenso die Flachbildkrippe, auch schon mal als „Armeleute-Krippe" bezeichnet. Das größte gezeigte Exemplar ist etwa hundert Jahre alt. Sperrholz wurde ausgesägt und mit ausgemalten Krippenbögen beklebt. Noch weitere Papierkrippen sind zu bewundern. Auf eine Vorlage aus dem Jahre 1929 geht eine nachgearbeitete Holzkrippe zurück, die ursprünglich in Warmbrunn kreiert wurde, wo eine große Schnitzschule existierte. Eine etwas ältere, ebenfalls mit dem Messer gefertigte Krippe ist im Original zu sehen. Interessant: eine Wandkastenhängekrippe aus der Grafschaft Glatz von 1928 mit „Grulicher Mannl". Das waren Figuren, die im Grulicher Ländchen, einer bedeutenden Region der Schnitz- und Krippenkunst, hergestellt wurden. Die gezeigte Krippe ist auf der einen Seite von einem orientalischen Palast, auf der anderen von einheimischer Architektur geprägt. Ein beigefügter Zettel informierte, dass Ochs und Esel aus dem Ensemble bereits um 1850 entstanden wären. Ebenfalls aus Glatz: ein Krippendiorama aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da solch eine Krippe lediglich zur Weihnachtszeit bequem an die Wand gehängt werden brauchte, hieß sie im Volksmund gern „faule Krippe". Statt eines Adventkranzes zierte in vielen Häusern eine Apfelpyramide den Tisch: Auf einem Holzgestell steckten vier Äpfel mit Kerzen und Zweigen. Den so genannten Putzapfel gab es am Nikolaustag für die Knechte und Mägde. Ein mit einer Kerze verziertes Obststück wurde als Geschenk mit Münzen gespickt. Winzige Krippenfiguren in. Nussschalen, geklöppelte Hauptdarsteller der Weihnachtsgeschichte oder welche aus Alabastergips sind in der Schau ebenso zu entdecken.
Gezeigt werden auch die Weihnachtszepter, die in protestantischen Gegenden Niederschlesiens von den Kindern geschmückt, am Heiligen Abend in die Kirche getragen und auf der Empore aufgestellt wurden. Bis zu drei Metern hoch waren sie, meist bestanden sie aus sieben Etagen und hatten 32 Lichter. Bilder wie das von der „Flucht der Heiligen Familie", in die schlesische Winterlandschaft versetzt, sind zu begutachten. Hefte mit Liedern und Geschichten zur besinnlichen Zeit sind genauso wie Rezepte exponiert.
Denn was wäre dieses Fest ohne kulinarische Köstlichkeiten? Die Liegnitzer Bombe und Lebkuchen präsentieren den „Geschmacksnerv" der Schlesier in der Weihnachtszeit, auch die Mohnklöße und die Braune Tunke. Dorothea Friedel, die einen Teller typischer Plätzchen zur Ausstellung beigesteuert hat, erinnerte sich an ihre Kindheit: „Nach der Christmette um Mitternacht wurden Mohnklöße serviert. Am Heiligen Abend wurde vor der Einbescherung die Braune Tunke zu Fisch oder weißer Wurst gegessen. Danach mussten wir bis zur Mette noch einige Stunden ins Bett. Die Süßigkeiten vom Tannenbaum durften wir erst räubern, wenn am Tag der Heiligen Drei Könige der Pfarrer seinen Besuch abgestattet hatte." Nun, im Haus Schlesien war der geistliche Würdenträger bereits da.
Die Ausstellung wird bis zum 27. Januar gezeigt. Montags geschlossen. Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr sowie Samstag, sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr geöffnet Ein Kinderprogramm mit Basteln findet am 21. Dezember, 15 Uhr statt. Anmeldungen unter der Rufnummer 0 22 44188 62 31.
Quelle: General-Anzeiger vom 11.12.2007
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