Presseecho 2008

Der Wegbereiter des Klassizismus
Haus Schlesien würdigt Carl Gotthard Langhans mit einer Sonderausstellung

KÖNIGSWINTER. Das Brandenburger Tor ist das prominenteste Symbol der wechselvollen Geschichte Deutschlands bis hin zur Wiedervereinigung 1989. Während dieses Bauwerk weltweit bekannt ist, soll dessen Baumeister, Carl Gotthard Langhans (17321808), in seinem 200. Todesjahr erneut ins Bewusstsein gerückt werden. Das Haus Schlesien würdigt in diesem Jubiläumsjahr als einziges Museum in Deutschland das Gesamtwerk des Architekten in einer Sonderausstellung.

Carl Gotthard Langhans wurde in Landeshut in Schlesien geboren und gilt heute als Wegbereiter des Klassizismus in der deutschen Architektur. Die Ausstellung stellt seine Bauwerke in Schlesien, Berlin und Potsdam vor. Er schuf für die preußischen Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie für adelige Auftraggeber wie unter anderem den Fürsten Adrian von Hatzfeldt und den schlesischen Provinzialminister Graf von Hoym herausragende Palais, Innenausstattungen und Gartenanlagen.

So wurde der Neue Garten in Potsdam mit seiner Vielfalt Langhans'scher Bauten zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Seine Karriere als Baumeister begann mit dem Ausbau des fürstlichen Schlosses in Trachenberg und dem Wiederaufbau des Breslauer Stadtpalais der Familie Hatzfeldt in den 1760er Jahren. Einen weiteren wichtigen Schritt brachte seine Ernennung zum Kriegs-, und Oberbaurat für Schlesien im Jahre 1775 durch König Friedrich IL, eine Funktion, in der er in weit reichendem Umfang öffentliche Bauvorhaben in Schlesien prägte.

Ihm unterstanden nahezu alle Gebiete des staatlich finanzierten Bauwesens. Außerdem wirkte er in Schlesien im evangelischen Kirchenbau stilbildend. Seinen größten Einfluss erhielt Langhans durch das Amt als erster Direktor des von König Friedrich Wilhelm Il. neu geschaffenen preußischen Oberhofbauamtes in Berlin. Damit unterlagen alle Bauten des preußischen Königs ab 1788 seiner Einflussnahme. Seine Beziehungen zu Schlesien brachen aber auch während der erfolgreichen Berliner Zeit nie ab und er verbrachte seinen Lebensabend in Breslau, wo er im Herbst 1808 verstarb.
Die Ausstellung im Museum für schlesische Landeskunde von Haus Schlesien wird durch wertvolle Leihgaben großer Berliner und Potsdamer Institutionen, sowie aus Landeshut/ Kamienna Góra vom Muzeum Tkactwa Dolnoslaskiego und weiteren privaten und musealen Leihgaben bereichert. Original Entwürfe von Langhans, Handschriften und Grafik werden erstmals dem Publikum außerhalb der Archive vorgestellt. Eine audio-visuelle Präsentation von Schülerinnen des CJD-Gymnasiums, Königswinter, bringt das Thema auch der jungen Generation nahe. Im Mittelpunkt steht das Brandenburger Tor in seiner geschichtlichen und künstlerischen Rezeption bis in die moderne Kunst. (EB)

Eröffnung 3. August; die Ausstellung läuft bis 23. November. Für Schulklassen und Gruppen werden Führungen angeboten; weitere Infos unter
www.hausschlesien.de

Quelle: Bonner Rundschau vom 14.07.2008