Presseecho 2006

Bilder einer Polenreise: Katja Mummert mit ihrem Vater vor den Fotos des alten Hauses im niederschlesischen Klobschen (Foto: Wirth)

Aufbruch in die alte Heimat
Haus Schlesien zeigt Fotos von einer Reise in die Vergangenheit

von HEIDRUN WIRTH

KÖNIGSWINTER. "Die polnische Westgrenze an Oder und Neiße ist, wie wir wohl verstehen, für Deutschland eine äußerst bittere Frucht des Zweiten Weltkriegs - zusammen mit dem Leid von Millionen Flüchtlingen und vertriebenen Deutschen (auf internationalen Befehl der Siegermächte Potsdam 1945! geschehen)." So stand es 1965 in einem Brief, den die polnischen Bischöfe am Rande des II. Vatikanischen Konzils ihren deutschen Amtsbrüdern übergaben. Es war der Beginn einer langen Aussöhnungsarbeit, die heute ihre Früchte trägt.

Um diese Früchte geht es in den Fotografien der Aachener Fotografin Katja Mummert, die zurzeit im Haus Schlesien ausgestellt sind. Nachdem die Deutschen am 9. Februar 1945 das Dorf vor den anrückenden Russen geräumt hatten, wurde es nach Kriegsende neu von Ostpolen besiedelt, die ebenfalls aus ihrer Heimat in Ostgalizien vertrieben worden waren. Die 1971 in Linz geborene Katja Mummert begleitete ihren Vater im Vorjahr in dessen niederschlesisches Heimatdorf Klobschen im Kreis Glogau, das heute Klobczyn heißt. Die Polen leben bereits in der zweiten und dritten Generation in diesem Dorf, das zu ihrer Heimat geworden ist. Seit 1990 gibt es regelmäßige Begegnungen zwischen den Klobschenern und den Klobczynern. Fröhliche Freundschaftsfeste fanden statt, Kost und Logis frei.

In Klobczyn fertigte die Fotografin neben einer sehr sensiblen Diaschau eine Fotosequenz in Dreierbildern nach der Art eines Triptychons. In der Mitte ist das alte, oft verfallene Haus zu sehen, rechts steht der ursprüngliche deutsche Besitzer, links der heutige polnische. Unter dem Titel „meine Heimat - deine Heimat", „Impressionen einer Schlesienreise" erhält die Bilderserie hohen dokumentarischen Wert und wirkt gerade durch die Miteinbeziehung der Zeitzeugen. Das originelle Konzept zeugt auch von hoher künstlerischer Qualität.

Gut hätte diese Reihe ins Haus der Geschichte zu der eben abgelaufenen Ausstellung über „Flucht, Vertreibung, Integration" gepasst.

Haus Schlesien; KönigswinterHeisterbacherrott; Dollendorfer Straße 412, Di-Sa 10-12, 1317 Uhr; Sonn- und Feiertage 11 -18 Uhr, noch bis zum 3. September.

Quelle: Rhein-Sieg Rundschau vom 26.07.2006