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Unbeschwerte Balance Haus Schlesien zeigt Bronzeplastiken von Herbert Volwahsen
von HEIDRUN WIRTH
KÖNIGSWINTER. Natürlich stammt er aus Schlesien, der Bildhauer Herbert Volwahsen (1906-1988), dessen Bronzefiguren zurzeit im Haus Schlesien in Heisterbacherrott ausgestellt sind. Im schlesischen Oberschellendorf (Kreis Goldberg-Haynau) geboren, besuchte er zunächst die Holzschnittschule in Bad Warmbrunn im Riesengebirge, und deshalb wird auch auf diese heimatgebundene Schule eingegangen, die damals wohl vor allem Rübezahl-Figuren herstellte.
Doch das genügte dem ehrgeizigen jungen Künstler nicht. Er ging an die Akademie nach Dresden und studierte in den Jahren 1925 bis 1931 Bildhauerei. Danach ließ er sich in Dresden nieder, wo er fast 20 Jahre sein Atelier unterhielt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Soldat eingezogen. Als er 1945 einen Häftlingszug von halb verhungerten KZ-Häftlingen vorüberziehen sah, war er tief beeindruckt und entwarf ein Mahnmal für die Stadt Halle. Der aus Stein gehauene Zug der Elendsgestalten ist in großen Fotos abgebildet.
1952 erhielt Volwahsen den Kunstpreis der Stadt Köln, dann plante er seine Flucht aus der DDR. Er wurde Mitglied der bekannten Künstlergilde Esslingen und Leiter der Werkgruppe Plastik an der Bielefelder Werkkunstschule. Von 1984 bis 1972 leitete er die Bildhauer-Gruppe an der Fachhochschule Dortmund.
Nach seiner Pensionierung zog Herbert Volwahsen nach Murnau, wo ihn die bayerischen Berge an das geliebte Riesengebirge erinnerten. Seine Bronzen, wie der Knabe (Titel „Balance"), sind unbeschwert und heiter. Der Bildhauer blieb durch alle Jahrzehnte bei seiner Darstellung stilisierter Figuren und verlor sich nie völlig im Abstrakten. Diese Reduzierung auf eine reine Körpersprache aus Haltung und Bewegung erinnert an den großen Ernst Barlach, doch sind die Figuren hier schmaler und graziler und dadurch beiläufiger, manchmal auch gefälliger.
Zeitlos tanzen, schreiten und hocken die männlichen und weiblichen Gestalten, laufen sogar Schlittschuh, nur die Flüchtlingsfrau lässt teilnahmslos in sich zusammengesunken das Leben an sich vorüberziehen. Zu sehen sind auch interessante Schwarz-Weiß-Fotografien, in denen sich die Abstraktion in Strukturaufnahmen oder Bildern vom Tanz (Mary Wigmann) einschleicht, ferner kraftvolle Kohlezeichnungen aus dem Riesengebirge. Am 24. Februar um 15 Uhr stellt Volwahsens Frau Dorothee den Bildhauer und seine Plastiken vor.
Quelle: Bonner Rundschau vom 7.2.2008
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