|
Zu Hause im „expressiven Realismus“ Haus Schlesien in Heisterbacherrott würdigt das Spätwerk des Malers Wolfgang von Websky
Von HEIDRUN WIRTH
KÖNIGSWINTER. Kein Zweifel, der Maler Wolfgang von Websky (1895-1992) war ein blendender Porträtist. Dies zeigt - auf einer Staffelei stehend - ein großes Gemälde seines Sohnes Michael, das 1981 entstanden ist. Wie treffsicher der Ausdruck war, ließ sich nun trotz der dazwischen liegenden Jahrzehnte gut vergleichen, denn der Sohn war ins Haus Schlesien gekommen, um eine große Retrospektive für seinen Vater einzurichten.
Bereits im Jahre 1985 war im Haus Schlesien eine Ausstellung von Wolfgang von Websky zu sehen und die jetzige wird im Sommer 2009 noch nach Breslau (Wroclaw) gehen. Die über 80 Ölbilder, Aquarelle, und Zeichnungen, die im Eichendorffsaal und im Museum von Haus Schlesien in Heisterbacherrott hängen, sind durch einen unruhigen Duktus und eine spontane Malweise geprägt. „Ich muss meine Bilder auf Anhieb vollenden, ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie durch Korrekturen nur schlechter werden", bekannte der Künstler, der stets nach der Natur malte, egal, ob Landschaften oder Porträts.
Der Pinselstrich bleibt sichtbar, Ausdruck einer nervösen Spannung, die diesen Maler der „verschollenen Generation" geprägt hat. Der Stil, der die weichen Elemente des Impressionismus mit denen eines viel härteren deutschen Expressionismus verbindet, wurde bei der Einführung von der Kunsthistorikerin und Expertin Ingrid von der Dollen als "expressiver Realismus" bezeichnet.
Und in der Tat hat von Wolfgang von Websky sich nie der abstrakten Nachkriegskunst in der Bundesrepublik zugewandt. Wie die Kollegen jenseits des eisernen Vorhangs (insbesondere der DDR-Künstler Bernhard Heisig) ist auch von Websky dem Stil von Lovis Corinth oder Max Slevogt nachgefolgt.
Wolfgang von Websky wurde 1895 in Berlin geboren und wuchs im niederschlesischen Schwengfeld (heute Makowice) auf. Er erlitt im Ersten Weltkrieg eine schwere Verwundung. Ab 1920 studierte er Kunst in Breslau, München und Berlin, lernte Italien und Paris kennen und ließ sich zunächst in Berlin, dann in Schwengfeld nieder. Im Zweiten Weltkrieg musste er wieder einrücken und dann fünf Jahre russische Kriegsgefangenschaft durchstehen. Dazu war fast alles, was er zuvor geschaffen hatte den Bombenangriffen zum Opfer gefallen.
So ist denn nur sein Spätwerk erhalten, das der Maler nach dem Krieg in Wangen im Allgäu anfertigte. Eindrucksvoll ist eine Zeichnung, die ihn selbst fragend und bescheiden, menschlich und völlig ohne Pathos als alten Mann zeigt. Vergeistigt wirkt auch das Porträt der schmalgliedrigen, berühmten Ausdruckstänzerin Mary Wigman (1962) mit großen blauen Augen, die sinnend in die Weite schauen. Das Bild ist eine Leihgabe aus dem Kulturforum Ostdeutsche Galerie Regensburg.
Quelle: Rhein-Sieg- Rundschau vom 07.04.2009 |
|