Dem Meister des Aquarells zum 140. Geburtstag
Eine Ausstellung mit Landschaftsaquarellen von Wolf Röhricht

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Bilder
- Selbstportrait, 1923.
- Matterhorn mit Wolken, 1929.
- Wolf Röhricht bei der Arbeit im Freien, o.J..
„Ich hatte mir vorgenommen, als ich nach Riffelalp kam, bestimmt nicht das Matterhorn zu malen. Das Matterhorn ist so unsympathisch berühmt, es hat eine so provozierend bekannte Form, es ist so oft gemalt worden, nein, ich wollte nicht“, schrieb Wolf Röhricht in der Zeitschrift „Sport im Bild“, verriet in selben Beitrag aber auch, dass er es am Ende doch gemalt hat und nicht einmal, sondern zehnmal! Denn wo und was er auch malte, immer „schaute [ihn] das Matterhorn an“ und so wurde er seinem Vorsatz am Ende doch untreu.
Ähnlich, wie das Matterhorn 1929 eine stetige Versuchung darstellte, der er schließlich nachgab, so lockte mehr als zwanzig Jahre zuvor die Malschule von Heinrich Knirr in München. Dem Wunsch der Mutter folgend hatte der 1886 in Liegnitz geborene Sohn eines Rechtsanwaltes 1905 ein Jurastudium in München begonnen. Doch eigenen Angaben zufolge verbrachte er mehr Zeit „in dem Aktsaal von Knirr als in den Münchner Hörsälen“. So endete es mit der juristischen Karriere wie mit dem Vorsatz, das Matterhorn zu ignorieren: Zwar schloss Wolf Röhricht das Studium 1913 mit einer Promotion ab, doch übte er den Beruf nie aus, sondern widmete sich fortan ganz der Kunst. Er studierte bei Pierre Bonnard und Edouard Vuillard an der Académie Julian in Paris und später bei Waldemar Rösler in Berlin, schloss sich der Berliner Sezession an und war bereits ein Jahr später mit drei seiner Werke auf deren Ausstellung vertreten. Seine erste Einzelausstellung folgte 1916.
Im Ersten Weltkrieg wurde Wolf Röhricht aus gesundheitlichen Gründen nicht als Soldat eingezogen und leistete stattdessen Zivildienst im Landratsamt des oberschlesischen Städtchens Lublinitz, wo er zum ersten Mal die beeindruckenden Anlagen der Schwerindustrie kennenlernte, die ihn künstlerisch inspirierten. Mit einer Ausstellung in Berlin und dem Verkauf erster Werke an die Nationalgalerie konnte Röhricht 1919 unmittelbar an seine Vorkriegserfolge anknüpfen. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden seine Bilder in mehreren Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen gezeigt. Seit 1926 lehrte er außerdem an der Malschule des Vereins Berliner Künstler und seit 1930 unterrichtete er im Auftrag des Kulturministeriums berufsmäßige Künstler und Kunstlehrer. Fünf seiner Bilder wurden 1937 für entartet erklärt, ein Malverbot blieb ihm jedoch erspart und so konnte er weitgehend ungehindert arbeiten. Noch 1943 präsentierte er in seinem früheren Elternhaus in Liegnitz – inzwischen Museum – eine Ausstellung mit seinen Bildern.
Ein großer Teil seines Werkes wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges in das Stadtschloss Kuchelberg bei Liegnitz ausgelagert und ging verloren. Schon 1945 war Röhricht aus dem zerstörten Berlin nach Garmisch-Partenkirchen gezogen, wenige Jahre später ließ er sich in München nieder. Er schloss sich der Neuen Sezession in München an und wirkte im Vorstand des Münchner Hauses der Kunst am Wiederaufbau des kulturellen Lebens mit. Wolf Röhricht starb am 29. September 1953.
Das umfangreiche Oeuvre Röhrichts beinhaltet Zeichnungen, Lithographien, Holzschnitte und Ölgemälde, doch sein besonderes Interesse galt dem Aquarell. Im Laufe der Jahre entwickelte er dabei eine spezielle Technik: Beim Auftragen der Farben auf das nasse Papier nutzte er nur selten einen Pinsel, sondern schaukelte nach dem Auftragen der Farbe das Blatt hin und her, „damit die Farbe richtig läuft“ und sich mit den anderen Farben verbindet. Die Lockerheit und teilweise Skizzenhaftigkeit des Aquarells schätzte Röhricht an dieser Technik besonders. So zeichnete er auch nicht mit Bleistift vor, da ihm diese Konturen als zu hart erschienen, sondern verwendete hierfür Kohle. Die Verwendung von Deckweiß widersprach seiner Meinung nach dem Wesen des Aquarells, weshalb er weiße Flächen dadurch darstellte, dass er auf einen Farbauftrag verzichtete. Häufig malte Röhricht auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, sodass die Farbe auf dem Papier gefror – die so entstandenen Farbkristalle taute er im Atelier langsam auf. Die „Frostspuren“ stellten eine interessante Variante in der Maltechnik dar.
Nicht nur in Bezug auf die Maltechnik, sondern auch auf die Motive zeichnet sein Werk eine große Bandbreite aus. „Ein Hauptmerkmal von Röhrichts Schaffen besteht darin, daß er sich in keiner Weise spezialisiert hat. Er wagt sich an die verschiedenartigsten Probleme heran: Einmal […] malt er Porträts, wir sehen Stillleben von ihm und er liebt nicht zuletzt die Landschaften“, hieß es schon 1919 in der Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration über den damals 33-jährigen Künstler. Wie aus den Schilderungen über das Matterhorn hervorgeht, malte Röhricht viele seiner Aquarelle in der freien Natur, auch wenn es passieren konnte, „daß ein Windstoß die Staffelei umwirft“, wie Röhricht selbst über die Schwierigkeiten der Pleinairmalerei schrieb und man „meistens erst, wenn man daheim ist, [merkt,] ob die Arbeit gelungen ist“.
Es sind insbesondere die vielfältigen Eindrücke, die Röhricht auf seinen Reisen gewonnen hat, die sich in seinen Bildern wiederfinden. Seit seiner Studienzeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte er eine Vielzahl von Reisen unternommen, die ihn unter anderem nach Frankreich, Italien, Ägypten, Tschechien, Norwegen und Schweden sowie in die Alpen führten. Auf seinen Reisen nach Südeuropa und Nordafrika entstanden stimmungsvolle Bilder südlicher Landschaften und Dörfer mit Szenen des täglichen Lebens. Faszinierende Ansichten der von ihm bereisten Städte runden das Gesamtwerk ab. Besonders aber zogen Röhricht immer wieder die Berglandschaften mit ihren Farben, dem Spiel von Licht und Schatten in ihren Bann. Seine ausgeprägte Liebe zum Gebirge begründete sich in seiner Jugend, in der er häufig im Riesengebirge wanderte.
Anlässlich seines 140. Geburtstages widmet HAUS SCHLESIEN diesem vielseitigen Künstler eine Ausstellung mit einer Auswahl seiner in Farbe festgehaltenen Reiseimpressionen: Südliche Landschaften und Gebirgsmotive. Zu sehen ist natürlich auch eine Version des „unsympathischen“ Matterhorns.
Silke Findeisen


