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Karl Friedrich Schinkel. Ölgemälde von K. J. Begas. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Foto J. Anders

Entwurf in neugotischem Stil, zweite Fassung. Aquarell von K. F. Schinkel, 1838. Muzeum Narodowe we Wrocławiu, Foto W. Rogowicz

Schinkel in Schlesien

„Wir hegen den Wunsch, jene uns dargebotene Gelegenheit benützen zu können, um auch für die Provinz Schlesien, die bisher von dem Einfluß der Hauptstadt [Berlin] aus manchen Gründen weniger Vorteile zog, (…) in den Formen der Baugegenstände, den Sinn zu leiten, und so auch diesem Zweige der Kultur, an den sich so manches andere Gute anknüpft, nachhelfen zu können.“
Notiz Schinkels über das Eingreifen der Oberbaudeputation in Schlesien während seiner schlesischen Reise 1832


Mit der Beauftragung des Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) gab Prinzessin Marianne das Schlossprojekt 1836 in die Hände eines der universell begabtesten und erfolgreichsten Architekten Preußens. Nach seiner Lehre im Atelier von David Gilly und dem Studium an der 1799
gegründeten Berliner „Allgemeinen Bau-Unterrichts-Anstalt“ stieg er ab 1810 durch Vermittlung Wilhelm von Humboldts rasch in der königlichpreußischen „Technischen Ober-Baudeputation“ auf. Sein eigentliches Wirken als Architekt konnte sich jedoch erst mit dem Ende der Befreiungskriege
gegen Napoleon entfalten. Zu den frühen Bauten, die heute zu den Hauptwerken des preußischen Klassizismus gelten, zählen die 1815 errichtete Berliner „Neue Wache“ und das drei Jahre später begonnene Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt. Nach 1820 wandte er sich auch der mittelalterlichen Gotik zu, die er an dem noch unvollendeten Kölner Dom bzw. an der Marienburg in Westpreußen zu schätzen gelernt hatte. Seine frühesten neogotischen Entwürfe, beispielsweise das Denkmal der Königin Luise in Gransee von 1811 oder das 1817 errichtete Denkmal für die Befreiungskriege auf dem Berliner Kreuzberg, waren noch gusseiserne Kleinarchitekturen. 1824 folgte als erstes neogotisches Bauwerk die Friedrichswerder‘sche Kirche in Berlin, ein Jahr darauf der Wiederaufbau der über dem Rhein gelegenen Burg Stolzenfels und 1829 das Rathaus von Kolberg.
Schon früh nahm Schinkel als oberster Leiter der preußischen Baubehörde auch auf die ländlichen Gebiete Schlesiens Einfluss. Dort ließ er nach standardisierten Entwürfen seiner „Normalkirchen“ zahlreiche ländliche Gotteshäuser errichten. Dazu zählen u. a. die ab 1836 erbaute Hofkirche des königlichen Gutes in Erdmannsdorf im Hirschberger Tal, die bis heute als Rest des einstigen Städtchens Kupferberg erhaltene katholische Kirche oder die 1823 begonnene evangelische Kirche von Habelschwerdt in der Grafschaft Glatz. Neben zahlreichen kommunalen Großbauten wie dem klassizistischen Umbau des Rathauses von Oppeln aus dem Jahr 1819, schuf Schinkel um 1831 mit dem 1945 zerstörten Schloss Kaltwasser bei Lüben seinen ersten neogotischen Bau in Schlesien.
Erst 1832 bereiste er selbst zum ersten Mal diese Provinz, in der er später mit dem Schloss Kamenz sein letztes großes Werk schuf. Mit dem dort realisierten Entwurf, der seine Vorbilder auch in den Kastellen des Deutschen Ritterordens hatte, näherte sich Schinkel zu seinem Lebensende wieder einer der Quellen, aus der er einst seine Begeisterung für die mittelalterliche Gotik geschöpft hatte.

Schloss Kaltwasser bei Lüben. Foto um 1940. Aus: G. Grundmann: Schinkel. München, 1940

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Entwurf für den „Grossen Saal“. Aquarell von K. F. Schinkel, 1838. Muzeum Narodowe we Wrocławiu, Foto W. Rogowicz

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Erster Vorentwurf des Schlosses im Stil der italienischen Renaissance. Aquarell von K. F. Schinkel, 1838. Muzeum Narodowe we Wrocławiu, Foto W. Rogowicz

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Schloss Kamenz- Feenschloss und Trutzburg

Bauwerke Karl Friedrich Schinkels in Schlesien. Karte von H. Graml, Berlin

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