Am 9. Februar 1817 brach in der ehemaligen Klostermühle ein verheerendes Feuer aus, das die Anlage in kurzer Zeit in Schutt und Asche legte. Erhalten blieben nur die Kirche, ein Teil des Westflügels und die Prälatur. Die ruinösen Gebäudereste, Kreuzgang, Uhrturm, Sakristei sowie die bisherige Pfortenkirche wurden abgerissen.

1837 fiel die Herrschaft Kamenz an Prinzessin Marianne von Oranien (1810-1883), eine für ihre Zeit ungewöhnlich unkonventionell und fortschrittlich denkende Frau. Sie erweiterte den Besitz und zeichnete sich vor allem durch ihr soziales Engagement aus. Sie förderte die wirtschaftliche Entwicklung durch Holzgewinnung, Straßenbau, Glasindustrie sowie Eisen- und Marmorabbau.
Seit 1830 war sie mit Prinz Albrecht von Preußen, dem jüngsten Sohn König Friedrich Wilhelms III. verheiratet, wurde jedoch 1849 von ihm geschieden.
Da der Prälatenflügel als Residenz ungeeignet war, wurde 1838-1872 für Prinzessin Marianne und ihren Sohn Albrecht (1837–1906) oberhalb des ehemaligen Klosters das neugotische Schloss Kamenz nach Entwürfen des Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) errichtet und vom Hofbaumeister Ferdinand Martius (1811-1889) vollendet. Die Gestaltung der umfangreichen Gartenanlagen erfolgte nach Plänen des General-Gartendirektors Peter Joseph Lenné (1789-1866).
Bis Ende 1940 blieb das Schloss im Besitz der Albrecht-Linie. Danach erbte es Prinz Waldemar von Preußen (1889-1945), der 1945 mit seiner Frau Calixta geb. Prinzessin zur Lippe (1895-1982) nach Bayern floh. Als die sowjetischen Truppen Kamenz besetzten, wurde das Schloss geplündert, verwüstet und durch Brandstiftung zum großen Teil zerstört.
Unter polnischer Verwaltung erfolgte die Umbenennung des Ortes in Kamieniec Ząbkowicki. Die gesamte Schlossanlage war nachfolgend dem Verfall preisgegeben, bis ein polnischer Privatmann 1985 mit Sicherungsmaßnahmen begann.
Die evangelische neugotische Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit wurde 1885 nach einem Entwurf von Ferdinand Martius als Stiftung der Prinzessin Marianne errichtet. Nach 1945 nicht mehr genutzt und 1983 in Brand gesteckt, verfiel sie zunehmend. Seit der Renovierung 1992 wird sie als Konzert- und Ausstellungssaal genutzt.
Die ehemalige Prälatur, nach 1945 zunächst als Warenlager zweckentfremdet, beherbergt seit der Renovierung 1989 eine Außenstelle des Staatsarchivs Breslau. Der örtliche Verein der Freunde des Kamenzer Landes hat ein kleines Museum eingerichtet und bemüht sich engagiert um das kulturelle Erbe von Kamenz. 

 „Uns kam das prinzliche Ehepaar in dem Riesenbau immer wie zwei verflogene Vögelchen vor. Sie bewohnten wenige Zimmer im zweiten Stock, die um den linken Rundturm an der Vorderfront gruppiert waren. Diese Zimmer waren niedriger und intimer als die große leere Hauptetage.“
(Günther Grundmann: Schloß Kamenz und die letzten Königlichen Hoheiten in seinen Mauern, in: Erlebter Jahre Widerschein, S. 289).

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Portrait der Prinzessin Marianne, um 1850. Ölgemälde von Theodor Hildebrandt. Schloss Reinhartshausen, Erbach/Rheingau

Entwurf in neugotischem Stil, zweite Fassung. Aquarell von K. F. Schinkel, 1838. Muzeum Narodowen we Wrocławiu, Foto W. Rogowicz

Prälatur, Zustand 2010, Foto: Jürgen Remig

Blick in das ausgebrannte Schloss vor Baubeginn. Foto 1985. Sammlung Gnaczy, Kamieniec Ząbkowicki

Gartenterrassen mit Blick zur ehemaligen Klosterkirche. Foto um 1870. Privatbesitz

Luftaufnahme von Kamenz, Foto: Romuald M. Sołdek

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