April, 2018

21April17:00„Agnetendorf, Dresden, Prag, Lemberg – Im Mittelpunkt: Gerhart Hauptmann“Konzert

 

„Agnetendorf, Dresden, Prag, Lemberg – Im Mittelpunkt: Gerhart Hauptmann“
Konzertabend mit Uraufführung der Vertonungen der letzten Gedichte von Gerhart Hauptmann durch Prof. Norbert Linke, gemeinsam mit Annette Linke (Sopran ),Barbara Adams-Heidbrink (Sopran) und Andrea Klusmann (Piano)

 

Der Liederzyklus „Recollections of SILESIA“
Last poems by Gerhart Hauptmann (1945) komponiert von Norbert Linke (2017)

Im Schicksalsjahr 1945 beendete Gerhart Hauptmann seine Tätigkeit als Lyriker: als Verfasser von Gedichten. Sein letzes Gedicht, „Wo bin ich?“, ist datiert mit 14. Mai 1945. Es trägt den handschriftlichen Vermerk Margarete Hauptmanns: Nochmals vorlegen.
Hauptmann war am 5. Februar mit seiner Frau nach Dresden gereist und hatte in einem Gartenhaus des Sanatoriums Weidner, im Stadtteil Wachwitz stromaufwärts an der Elbe gelegen, logiert. Von dort aus hatten beide die verheerenden Luftangriffe der Briten und Amerikaner am 13. und 14. Februar miterlebt. Schwer betroffen kehrten beide nach Agnetendorf im Riesengebirge zurück. Dort brauchte Hauptmann fast 6 Wochen, um das Erlebte zu „verarbeiten“ und am 29. März die aufrüttelnde Anklage zu schreiben: Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.
Die Nationalsozialisten konnten Hauptmann und seine Klage nicht für sich vereinnahmen, trotz mehrfacher Zeitungsmeldungen. Hauptmann schloss mit dem Aufruf an Kulturschaffende, vor allem auch in England und den USA, und zuletzt mit der Bitte an Gott: Ich bin nahezu 83 Jahre alt und stehe mit meinem. Vermächtnis vor Gott, das machtlos ist und nur aus dem Herzen kommt: es ist die Bitte, Gott möge die Menschen mehr lieben, läutern und klären zu ihrem Heil als bisher.
Von den zehn letzten Gedichten (aus dem Jahr 1945) haben wir die ersten beiden (aus nahe liegenden Gründen) unberücksichtigt gelassen: Empor nun, neues Weltenjahr (1.1.1945) und Wilhelm II. (2.1.1945).
Die übrigen acht wurden vertont und in chronologischer Reihung zum Zyklus RECOLLECTIONS OF SILESIA zusammengefasst:

1. Das Kleine ist das Große (14.1. 1945)
2. Entrückt dem Wein (13.2. 1945)
3. Das Schwinden wird zu wenig beachtet (1.4. 1945)
4. Es ist ein Trost (3.4. 1945)
5. Was ist Betäubung (5.4. 1945)
6. Entschuldige, Goethe (14. 4.1945)
7. Es gibt kein Siegen noch Unterliegen (14.4. 1945)
8. Wo bin ich (14.5. 1945)
CODA (24.12.2017)

Das zweite Gedicht Entrückt dem Wein schrieb Hauptmann in Dresden am Morgen des ersten Luftangriffs. Die weiteren entstanden nach dem Klageaufruf im April 1945.
Der „Nachzügler“ (Endpunkt: 14. Mai 1945) wurde eine Woche nach Kriegsende gedichtet. Frau Hauptmann hielt ihn für unvollkommen. Dennoch hielten wir für ratsam, Wo bin ich? mit einzubeziehen, wenn auch im Sprechgesang mit Klaviergrundierungen (= musikalische Bestandteile des Namens: g e h a d/ h a b d m a).
Die Vertonungstendenz neigt zur freien Tonalität, mit der Einbeziehung folkloristischer Anklänge – in konkreter Umsetzung von Anregungen, die Hauptmann (zum Beispiel im Jahr 1944) mit Schenkenliedern, Märchenbildern und dem Gedicht Im Volksliedton (31. Mai 1944) vermittelt hat.
Demgemäß ist auch die abschließende Coda gestaltet: mit Gesangsteilen aus der Ferne, aus dem schlesischen Volkslied Und in dem Schneegebirge. Das Piano intoniert dazu eine Weise, die der Komponist frei nach schlesischen Vorbildern seiner Mutter gewidmet hat: die er ihr zuliebe immer spielen musste, wenn er bei seiner Mutter in Celle einkehrte.
Ihr und der schlesischen Heimat, wie sie Gerhart Hauptmann gestaltet hat, ist dieser Gesangszyklus gewidmet.

 

Eintritt 10,- €

 

Samstag, 21.04.2018 17:00

X