TAGUNGEN

Den Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland und Polen kommt im Bereich der Verständigungsarbeit eine wichtige Rolle zu und gerade durch den binationalen Austausch kann der Blick für die sensiblen und spannungsreichen Aspekte in der deutsch-polnischen Geschichte geschärft werden. HAUS SCHLESIEN versucht hier mit seinen Tagungs- und Seminarangeboten einen Beitrag zu leisten.
Zweitrangig? Konrad Adenauers Ostpolitik

Ein Seminar zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers (1876-1967)
Mittwoch 04. und Donnerstag 05. Februar 2026
Veranstaltungsort: HAUS SCHLESIEN, Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter
Der erste Regierungschef der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland wird bis heute hinsichtlich der Außenpolitik meist sofort mit dem Stichwort „Westintegration“ in Verbindung gebracht. Dies gewiss zu Recht, aber Adenauer hatte den Blick selbstverständlich auch nach Osten zu richten. Mit der DDR war zeitgleich ein zweiter deutscher Staat unter der Kontrolle der Sowjetunion entstanden, zudem war die Frage der Zukunft der früheren deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße mindestens aus der Sicht der Mehrheit der mehr als acht Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen offen, die unfreiwillig von dort nach Westdeutschland gelangt waren. Und zudem handelte es sich bei diesen zugleich um eine sehr große Bevölkerungsgruppe von hoher sozial- und innenpolitischer Relevanz.
Das Seminar nimmt Konrad Adenauers nach Osten gerichtetes (außen-)politisches Programm in den Blick und fragt nach dessen Stellenwert in der Gesamtpolitik des ersten Bundeskanzlers. Außerdem beleuchtet es die Vertriebenenpolitik in den beiden ersten Legislaturperioden 1949-1957.
Teilnahmegebühr: 145 € pro Person (1 Übernachtung mit Frühstück, 1 Abendmenu und 1 Mittagessen, Pausenversorgung mit Kaffee, Mineralwasser, Gebäck), ohne Übernachtung 90 € pro Person, für Mitglieder des Vereins HAUS SCHLESIEN 125 € bzw. 80 €.
Verbindliche Anmeldung bitte unter 02244 886 231 oder kultur@hausschlesien.de
Kooperationsprojekt: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, HAUS SCHLESIEN und Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
Mehr Infos zum Jubiläum und weitere Veranstaltungen: www.150-jahre-adenauer.de
Foto: Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Moskau 1955
Bundesarchiv, Bild 146-1989-101-01A / CC-BY-SA 3.0

Programm (Änderungen vorbehalten):
Mittwoch, 04. Februar 2026
13.30 – 13.45 Uhr Begrüßung und Einführung (Nicola Remig, Dokumentations- und Informationszentrum von Haus Schlesien/Prof. Dr. Winfrid Halder, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf)
13.45 – 14.45 Uhr Fast ein Jahrhundertleben. Stationen und Kontexte der politischen Biographie Konrad Adenauers im Überblick (Prof. Halder)
Konrad Adenauer, der 1967 im Alter von 91 Jahren starb, war Zeitgenosse von vier sehr unterschiedlichen politischen Systemen in Deutschland und er war politischer Akteur in allen vier Systemen. Der Vortrag richtet sich auf politische Prägungen und zentrale Stationen im Werdegang Adenauers.
14.45 – 15.00 Uhr Kaffeepause
15.00 – 16.15 Uhr Konrad Adenauer (1876-1967) und Wilhelm Pieck (1876-1960) – Parallele Leben, entgegengesetzte Wege (Dr. Christopher Beckmann, Konrad-Adenauer-Stiftung)
Im Unterschied zum Kölner Adenauer stammte Wilhelm Pieck aus der 1945 von der Besetzung und Teilung Deutschlands direkt betroffenen brandenburgischen Kleinstadt Guben. Die Stadt war unvermittelt Grenzstadt, ihr östlich der Oder gelegener Teil fiel an Polen. Pieck, der nur zwei Tage älter als Adenauer war, hatte frühzeitig politisch einen völlig anderen Weg eingeschlagen. Nahezu zeitgleich übernahmen dennoch beide politische Spitzenämter in den soeben gegründeten zwei deutschen Staaten. Somit stehen beider politische Biographien für fundamental verschiedene Möglichkeiten der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert.
16.15 – 17.30 Uhr Adenauer und die Westintegration. Das dominante Konzept? (Prof. Dr. Guido Thiemeyer, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Die Integration des jungen westdeutschen Teilstaates in den von den USA angeführten Staatenverbund gehörten zu den zentralen Anliegen des ersten Bundeskanzlers. Der Vortrag beleuchtet Elemente und Gewichtung der Westintegration in Adenauers politischem Gesamtkonzept.
18.00 – 19.00 Uhr Abendessen im HAUS SCHLESIEN
19.30 – 20.45 Uhr Hans Lukaschek (1885-1960) und die Vertriebenenpolitik der Regierung Adenauer 1949-1957 (Dr. Guido Hitze, Leiter der NRW-Landeszentrale für politische Bildung)
Der hohe Stellenwert der Vertriebenenpolitik in der jungen Bundesrepublik wurde auch durch die Schaffung eines eigenständigen Ministeriums dafür sichtbar. Adenauer hatte für dessen Leitung unterschiedliche personelle Optionen und entschied sich für Hans Lukaschek, den früheren Oberpräsidenten der Provinz Oberschlesien und Angehörigen des Widerstandszirkels „Kreisauer Kreis“. Lukaschek oblag die Schaffung der Grundlagen der Integration von mehr als acht Millionen unfreiwilligen „Zuwanderern“.
Donnerstag, 05. Februar 2026
07.30 – 08.30 Uhr Frühstück
08.30 – 10.30 Uhr Transfer zum Konrad-Adenauer-Haus in Rhöndorf (optional für Teilnehmer mit ausreichender Fitness als Fußwanderung, auch wetterabhängig), sonst mit öffentlichen Verkehrsmitteln
10.30 – 10.45 Uhr Begrüßung durch Dr. Sabine Schößler, Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
10.45 – 11.00 Uhr Kaffeepause
11.00 – 13.00 Uhr Akzente der Ostpolitik Adenauers. Vortag und Führung durch das Wohnhaus (Dr. Holger Löttel, Stiftung Konrad-Adenauer-Haus)
Konrad Adenauer hat das Haus in Rhöndorf von 1937 bis zu seinem Tod bewohnt. Bald danach begann der Aufbau einer Gedenkstätte, die das original erhaltene Wohnhaus und einen Museumsbau in unmittelbarer Nähe umfasst. Der dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätige Dr. Holger Löttel nimmt in seinem Vortrag Aspekte der Adenauerschen Außenpolitik auf und erläutert beim Rundgang durch das Haus biographische Stationen.
13.10 – 14.20 Uhr Mittagessen (Café Profittlich, Rhöndorf)
14.30 – 15.00 Uhr Abschlussrunde, anschließend Rückkehr zum Haus Schlesien (öffentliche Verkehrsmittel, Ankunft ca. 15.45 Uhr) oder Heimreise
Frauenschicksale zwischen Weimarer Republik und Wiederaufbau

Tagung
Samstag, 18. April 2026, 10.00 – 18.00 Uhr
Veranstaltungsort: HAUS SCHLESIEN, Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter
Vor während und nach dem Zweiten Weltkrieg lastete auf den Schultern der Frauen eine große Verantwortung: Die Männer waren als Widerständler in Haft, im Krieg, in Kriegsgefangenschaft oder gefallen, und so hatten die Frauen nicht selten neben der Familie auch einen Betrieb zu führen und für den Unterhalt zu sorgen. Andere waren selbst im Widerstand, versteckten Verfolgte, wurden selbst verfolgt oder zur Zwangsarbeit genötigt. Und am Ende des Krieges waren es vor allem Frauen, die mit Kindern und Alten aufbrechen und sich auf den Weg ins Ungewisse machen mussten.
Es waren unsere Mütter und Großmütter, die während Nationalsozialismus, Krieg, Flucht und Vertreibung, oft auf sich alleine gestellt, fast Unmenschliches geleistet haben
Die Tagung vermittelt anhand einzelner Biographien von bekannten und weniger bekannten Frauen historische Hintergründe zur deutschen Geschichte der 1930er bis 1950er Jahre und erinnert an die Leistung der Frauen. Neben bekannten Frauen wie Gussie Adenauer oder Freya von Moltke, geht es vor allem um die Geschichten der vielen Unbekannten: der Alltagsheldinnen aus Königswinter, der Zwangsarbeiterinnen und der Frauen auf der Flucht Im Rahmen der Tagung besteht auch die Möglichkeit, eigene Familiengeschichten zu reflektieren.
Teilnahmegebühr: 70 € pro Person (incl. Drei-Gang-Menü und zwei Kaffeepausen)
Verbindliche Anmeldung bitte unter 02244 886 231 oder kultur@hausschlesien.de
Die Zahl der Plätze ist begrenzt!
Eine Tagung von HAUS SCHLESIEN in Zusammenarbeit mit der VHS Siebengebirge, dem Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter und der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
10.00 Uhr Begrüßung / Einführung in die Thematik
10.15 Uhr Bewegte Biografien – Gussie Adenauer & Elly Heuss-Knapp
Claudia Waibel, Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
11.00 Uhr Kaffeepause
11.30 Uhr Die Frauen der Kreisauer: Freya Gräfin von Moltke, Marion Yorck von Wartenburg und Margarete von Trotha
Silke Findeisen, HAUS SCHLESIEN
12.15 Uhr Zwangsarbeiterinnen in Königswinter – Beispiele polnischer und ukrainischer Betroffener
Elmar Scheuren, Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter
13.00 Uhr Mittagessen
14.30 Uhr Rosa Cohn: Damit wir nicht vergessen.
Videoprojekt der Schülerinnen Carina Schleder, Hannah Julia Gajdecka und Michelle Mader des Gymnasiums am Ölberg
15.00 Uhr Moderierte Gespräche in Kleingruppen mit Kaffee und Kuchen
Zeit für Ihre Erinnerungen und Geschichten aus der Familie
16.00 Uhr Die Frauen der Familie Süskind in Oberdollendorf. Biografische Annäherungen an Herkunft, Verfolgung und Überleben
Gabriele Wasser, Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter
16.45 Uhr Führung durch die Sonderausstellung „Ungehört – Die Geschichte der Frauen“
17.30 Uhr Abschlussdiskussion
Ca. 18.00 Uhr Ende der Tagung.
OPA LEBT IN OBERSCHLESIEN / ALLES POLEN ODER WAS?!

Rückblick Tagung „Alles Polen – oder was?! Oberschlesische Identitäten zwischen Deutschland und Polen“ 2025
Am 15. und 16. November fand im HAUS SCHLESIEN zum fünften Mal die Tagung „Alles Polen oder was?!“ (vormals „Opa lebt in Oberschlesien“) statt. 26 Teilnehmer unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe waren diesmal dabei, womit eine Rekordzahl erreicht wurde. Wir freuen uns über das wachsende Interesse am Themenbereich und die steigende Bekanntheit des Seminars, das als Zwilling unseres stets ausgebuchten Seminars „Oma kommt aus Schlesien“ entstanden ist, allerdings mit einer ganz anderen Zielgruppe. Während das „Oma“-Seminar sich primär an Nachfahren der deutschen Heimatvertriebenen richtet, die 1945 Schlesien verlassen mussten, spricht „Alles Polen oder was?!“ vor allem die oberschlesischen Aussiedler an, die später ausreisten und deren Migrationserfahrung sich deutlich von der Vertreibung unterscheidet.
Der Untertitel des diesjährigen Seminars lautete „Oberschlesische Identitäten zwischen Deutschland und Polen“. Die Frage nach der Identität zog sich dabei wie ein roter Faden durch das Programm: Am ersten Tag hörten die Teilnehmer zum Einstieg einen kurzen Impulsvortrags von Florian Paprotny vom Dokumentations- und Informationszentrum im HAUS SCHLESIEN (DIZ) zur Entwicklung des Begriffs „Identität“. Anschließend folgten ein Grundlagenvortrag zur Geschichte Oberschlesiens und eine Führung durch die Dauerausstellung im Museum von HAUS SCHLESIEN durch Adam Wojtala (DIZ). Es wurde deutlich, dass die oberschlesische Identität zunächst vor allem regional geprägt war und dann im späten 19. und vor allem im 20. Jahrhundert eine Nationalisierung erfolgte, die zu einer Spaltung der Oberschlesier zwischen deutschem und polnischem Nationalgefühl führte. Den Kulminationspunkt dieser Spaltung bildete das Plebiszit 1921, das von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und polnischen paramilitärischen Gruppen überschattet wurde. In Folge des Plebiszits wurde Oberschlesien geteilt und der östliche Industriestreifen fast gänzlich an Polen angegliedert. Dort bildete er fortan die Wojewodschaft Schlesien. Das agrarisch geprägte westliche Oberschlesien verblieb als Provinz Oberschlesien beim Deutschen Reich.
Nachdem ganz Oberschlesien 1945 an Polen fiel, wurde 1950 nach kurzem Bestehen einer beide Teile umfassenden Wojewodschaft wieder zwei Wojewodschaften gebildet. Das westliche Oberschlesien bildete fortan die Wojewodschaft Oppeln, die sog. „Opolszczyzna“. Mit der regionalen Identität dieses Gebiets beschäftigte sich der Vortrag von Dr. Monika Czok (Universität Oppeln), die aufzeigte, dass es durchaus eine eigene Identität im Oppelner Schlesien gibt, die sich von der der Wojewodschaft Schlesien, also dem oberschlesischen Industriegebiet, abgrenzt. Das wurde vor allem 1998 deutlich, als im Zuge einer Verwaltungsreform die Wojewodschaft Oppeln aufgelöst werden sollte, wogegen die Bewohner protestierten. Letztlich blieb die Wojewodschaft erhalten.
Der Nachmittag endete mit der Filmvorführung von Ronald Urbanczyks Dokumentarfilm „Nova Silesia“. Mit eindrucksvollen Bildern erzählte der Film von der kulturellen und wirtschaftlichen Dynamik Schlesiens zwischen Tradition und Moderne. Dabei geht er auf die verschiedenen schlesischen Regionen ein, angefangen im ostoberschlesischen Industrierevier, über die „Opolszczyzna“ und auch Niederschlesien bis hin zur Oberlausitz. Der Tag fand seinen Abschluss in geselliger Runde beim gemeinsamen Abendessen und offenen Gesprächen in der Rübezahlstube.
Die Tagung fand erneut in Kooperation mit dem Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM), Ratingen, statt, wo die Gruppe den zweiten Tag verbrachte. Dr. Marius Hirschfeld (OSLM) führte durch die Dauerausstellung und die Sonderausstellung “Silberfieber”. Außerdem hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die beiden hauseigenen Escaperooms mit oberschlesischem Setting zu spielen. Zum Abschluss gab es noch einen Vortrag von Prof. Dr. Bertram von der Stein. Der Psychotherapeut gehört bereits von Beginn an fest zum Programm des Seminars „Oma kommt aus Schlesien“, bei dem er über transgenerationale Traumata durch Krieg, Flucht und Vertreibung referiert. Beim Oberschlesien-Seminar referierte er dieses Jahr erstmals und thematisierte die psychologischen Auswirkungen, die die jahrzehntelange Unterdrückung der oberschlesischen Identität und der biographische Bruch der Aussiedlung bei den Oberschlesiern hinterlassen haben. Er illustrierte das mit anonymisierten Fallbeispielen aus seiner Praxis. Der Vortrag führte zu einer regen Abschlussdiskussion.
Unsere Seminare sollen auch 2025 wieder stattfinden. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Website hausschlesien.de, unter 02244 886 231 oder kultur@hausschlesien.de.
Florian Paprotny